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Das Wasserwerk von Altglienicke


Das Wasserwerk von Altglienicke

Eines der interessantesten Wasserbauwerke der Firma Heinrich Scheven aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts ist das Wasserwerk im Berliner Stadtteil Altglienicke. Das Wasserwerk, die Brunnenanlagen und der markante Wasserturm wurden 1905 / 1906 erbaut.

 

Die Berliner Gemeinden Altglienicke, Adlershof und Grünau hatten bis zur Jahrhundertwende 1900 noch keine große industrielle Entwicklung zu verzeichnen. Bedingt durch die verkehrsgünstige Lage entstanden jedoch immer mehr billige Wohnbausiedlungen, vor allem für Arbeiter. In den Jahren 1903/04 ergaben sich dadurch Veränderungen in der Infrastruktur. So wurden der Teltowkanal gebaut, die Bahnlinien erweitert, der Anschluss an die Berliner Straßenbahn und an die Elektroenergieversorgung wurden realisiert. Damit ergab sich die Notwendigkeit einer eigenen Wasserversorgung.

 

* Revisionszeichnung Enteisenungsanlage

Im Jahre 1904 bildete sich ein Wasserversorgungsverband für die 3 Gemeinden. Er beschloss noch im selben Jahr den Bau eines Wasserwerkes. Mit der Projektierung und dem Bau wurde die Düsseldorfer Firma Heinrich Scheven beauftragt. In einigen Veröffentlichungen wird fälschlicherweise vom Architekten Heinrich Scheven im Zusammenhang mit dem Wasserwerk Altglienicke berichtet. Der Firmengründer und Namensgeber starb aber bereits im Jahr 1896.


* Revisionszeichnung Maschinenhaus

 

Zum Zeitpunkt des Baus des Wasserwerkes leitete sein Sohn Friedrich Scheven erfolgreich die Firma Heinrich Scheven.
In der Projektierungsphase fand man schnell das geeignete wasserführende Gelände an der Straße „Am Falkenberg“ in Altglienicke. Und schon im Frühjahr 1905 begannen die Bohr- und Bauarbeiten. Zunächst wurden 5 Brunnen, ein Maschinenhaus, das Rieselergebäude, die Enteisenungs- und Filteranlage mit Reinwasserbehälter, eine Sandwäsche und ein Wohnhaus errichtet.


Am 1. April 1906 konnte schließlich das Wasserwerk in Betrieb genommen werden. Es hatte zu Beginn eine Tageskapazität von 5750 m³. Um den nötigen Druck in den Wasserleitungen zu erzeugen, wurde auf einer naheliegenden

* Schnittzeichnung Wasserturm

höheren Fläche ein Wasserturm aus rotem Ziegelmauerwerk errichtet. Er ist 46 m hoch und weist im Sockelbereich wie so viele Scheven – Wassertürme einen gotischen Stil auf, der Zinnenkranz als oberer Kopfabschluss erinnert dagegen an eine Ritterburg. Der damals eingebaute Wasserbehälter, durch dessen Mitte eine Wendeltreppe führte, hatte ein Auffangvolumen von 600 m³.
Bereits nach 3 Jahren mussten auf Grund des gestiegenen Wasserbedarfs in den Gemeinden das Wasserwerk um 3 weitere Brunnen ausgebaut werden. Infolge von Versandungen der erstgebauten Brunnen konnte die Leistung des Wasserwerkes jedoch nicht wesentlich erhöht werden.

 

Nach der Eingemeindung und der Übernahme durch die Berliner Städtischen Wasserwerke versorgte das Werk 23.600 Einwohner über 1175 Hausanschlüsse. Die Jahresfördermenge betrug 800.000 m³, wobei das Trinkwasserrohrleitungsnetz eine Gesamtlänge von nur 41 km hatte.

 


Der Wasserturm - Eingangsbereich

Das Sockelgeschoss des Wasserturmes mit seinen gotischen Fenstern wurde von 1933 bis 1937 für Gottesdienste der evangelischen Gemeinde genutzt, da die Bevölkerung der Ortslage Falkenberg zunehmend anwuchs und die Pfarrkirche Altglienicke einen weiten Fußmarsch bedeutete. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde der Turm infolge von Zerstörungen noch einmal für den Gottesdienst genutzt.
1956 nahm man den Wasserbehälter im Kopfbereich endgültig außer Betrieb. Seit 1999 befindet sich der Wasserturm von Altglienicke in privatem Besitz. Von weiteren Nutzung- und Sanierungsplänen ist nichts bekannt.
Heute wird auch das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Wasserwerk nicht mehr genutzt. Es weist mittlerweile große Bauschäden auf, zwischenzeitliche Plünderungen und Vandalismus taten ihr übriges.
Leider ist die Zukunft des alten Scheven – Bauwerkes unklar, der Verein „Wasserwerk Altglienicke“ engagiert sich aber gegen einen geplanten Abriss.
Über 100 Jahre nach der Errichtung des Wasserwerkes Altglienicke ist die neugegründete Firma BIS Heinrich Scheven GmbH wieder in Berlin. Auf der Messe Wasser Berlin stellte sie im Frühjahr 2009 das Zukunftsprojekt zur praxisorientierten Risikobewertung, Wartung und Überwachung von Brunnen und Rohrleitungsnetzen vor.

Es ist zu hoffen, dass das wasserbauliche Denkmal in Berlin-Altglienicke noch lange ein Zeitzeuge von hervorragendem Ingenieursdenken bleibt.


Der Wasserturm heute
* Enteisenungsanlage

* Die Redaktion bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei der Recherche und die Erlaubnis der Bildveröffentlichungen bei Herrn Krüger und Herrn Lange der Berliner Wasserbetriebe, Museum im Wasserwerk.

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